Kranzniederlegung am Turnerdenkmal

 

 

150 Jahre TSV Rottenburg

Programm und Ansprache TSV-Präsident Hans Englbrecht zum Gründungstag mit Gedenken an die verstorbenen Vereinsmitglieder

Donnerstag, 25. Februar 2016, 18.00 Uhr – Turnerdenkmal

 

Heute ist ein historischer Tag in der Geschichte unseres TSV Rottenburg.
Vor 150 Jahren, am 25. Februar 1866, wurde der Turnverein Rottenburg gegründet. Wir sind deshalb an diesem besonderen Ort zusammengekommen, um an die Vereinsgründung zu erinnern und zugleich allen verstorbenen Vereinsmitgliedern zu gedenken.

Ich darf alle Anwesenden zu dieser kleinen Feier recht herzlich willkommen heißen.
Es ist erfreulich, dass sich so viele Mitglieder trotz des schlechten Wetters an dieser Feier beteiligen.
Der besondere Gruß gilt unserem Bürgermeister und Schirmherrn der Jubiläumsfeierlichkeiten Alfred Holzner,
- der Fahnenmutter Christine Gruber mit ihren Festdamen,
- den Mitgliedern des TSV-Präsidiums und des Festausschusses,
- den Abteilungsleiterinnen und Abteilungsleitern sowie allen anwesenden Vereinsmitgliedern  aus den verschiedenen Abteilungen  sowie allen Freunden des TSV Rottenburg,
-der Abordnung unserer Stadtkapelle sowie Frau Heinrich von der örtlichen Presse.

Ablauf der Feier:

Treffen bei Eigenstetter, 18.00 Uhr
Marsch zum Turnerdenkmal am alten Turnerplatz
Begrüßung (Präsident Englbrecht)
Ansprache (Präsident Englbrecht)
Grußwort (Bürgermeister Holzner)
Kranzniederlegung (Präsidium, Bürgermeister)
Musikstück Stadtkapelle
Ende des offiziellen Teils
Rückmarsch Eigenstetter, dort Einkehr.

 

Ansprache Präsident Hans Englbrecht

Werte Vereinsmitglieder,

liebe Sportfreunde,

sehr geehrte Damen und Herren,

man muss mehr als 200 Jahre zurückschauen, um festzustellen, dass so um 1811 durch Friedrich Ludwig Jahn (auch Turnvater Jahn genannt) die allgemeine Turnbewegung ins Leben gerufen wurde. Zunächst von der Obrigkeit verboten, dann mit vielen Schwierigkeiten verbunden, bildeten sich um 1840 zunächst in den größeren Städten und dann ab 1860 auch in den ländlichen Räumen die ersten Turnvereine.

So erwachte in einer politisch sehr bewegten Zeit auch in Rottenburg erstmals der Wille zur Gründung eines Turnvereins. Am 25. Februar 1866 hatten sich in der Brauerei Steger (heute Huberbräu) an die 60 Männer versammelt, die unter dem Musikmeister Tobias Seiderer die Gesellschaft „Frohsinn“ in den Turnverein Rottenburg umwandelten. Der Turnverein, aus dem sich dann im Laufe der Jahre unser TSV entwickelte, war gegründet. Aus der Gründungstafel, die noch im Original erhalten ist, geht hervor, dass an dem 25. Februar 1866 insgesamt 41 Gründungsmitglieder (damals waren nur Männer zugelassen) und 8 Ehrenmitglieder aufgeführt sind. Der Turnrat bestand aus dem Vorstand Tobias Seiderer, dem Schriftwart Hans Dilles, dem Säckelwart Alois Sedlmeier, (entspricht dem heutigen Zachmeier Sepp), dem Turnwart Wolfgang Kohlroser, dem Zeugwart Martin Rösch und dem Sprechwart Michl Neumeier. Geturnt wurde im Garten der damaligen Brauerei Steger (Huberbräu).

Zum Anlass der Gründung stiftete der damalige Vorstand Tobias Seiderer dem Verein einen Glaspokal mit Widmung. Dieser historisch wertvolle Pokal ist noch im Besitz des TSV und wird in der Geschäftsstelle aufbewahrt. Im Übrigen wurde auch eine Straße im Stadtbereich nach Tobias Seiderer benannt.

Es ist erstaunlich, wie viele Unterlagen in Schrift und Bild aus dieser bewegten Zeit noch vorhanden sind. Wenn man so einzelne Epochen der Vereinsgeschichte betrachtet, kann man erahnen, mit welchen Schwierigkeiten unsere Vorfahren zu kämpfen hatten, um immer wieder den Verein am Leben zu erhalten. Auch die Kriege 1870/71, der Erste Weltkrieg 1914 – 1918 und der Zweite Weltkrieg 1939 – 1949 schafften es nicht, den Vereinsgedanken zum Erliegen zu bringen. Wie glücklich können wir uns schätzen, dass wir seit 1945 in Frieden und Freiheit unser Leben und auch unser Vereinsleben gestalten können. Dass es auch in der heutigen Zeit nicht ganz einfach ist, einen Verein am Leben zu erhalten, liegt auch auf der Hand – aber es sind Probleme ganz anderer Art.

Liebe Sportfreunde,

da wir heute an die Gründung des Turnvereins erinnern, ist es doch ganz interessant, wie so die ersten Vereinsjahre abgelaufen sind. Dank des Chronisten von damals wurde festgehalten, dass die erste Fahnenweihe am 5. Juni 1867 stattgefunden hat. Am 23. Mai 1869, als im ganzen Lande ein Aufruf zur Gründung von Freiwilligen Feuerwehren erlassen wurde, veranlasste Tobias Seiderer die Umbildung des Turnvereins in eine Turnerfeuerwehr. Der Krieg 1870/71 rief einen großen Teil der damaligen Turnerfeuerwehrmänner zu den Waffen und so schlief das Turnen allmählich ein.

Im Jahre 1885 erwachte der Turngedanke ein zweites Mal und 1886 erfolgte bereits der Beitritt zum Deutschen Turnerverband. Rege Aktivitäten gab es in den folgenden Jahren, viele Erfolge stellten sich ein. 1897 fand das erste große Turnfest statt. Es war eine große Ehre für den TV Rottenburg, das 2. Gauturnfest des 1893 gegründeten Turngaues Landshut ausrichten zu dürfen.

130 aktive Turner nahmen daran teil. Im Rahmen des Gauturnfestes wurde die für 200 Mark angeschaffte neue Fahne des Turnvereins eingeweiht. Es handelt sich um die Fahne, die wir heute mit zu dieser Veranstaltung getragen haben.

Zunächst war geplant, diese Fahne zur Fahnenweihe restaurieren zu lassen. Dies ist aber aus verschiedenen Gründen nicht mehr möglich. Es wird zur Fahnenweihe eine neue Fahne geben.

Zum Schluss des kurzen Auszugs aus der Chronik noch eine Episode zum Schmunzeln. Wie oben erwähnt, sollte 1897 im Rahmen des Turnfestes die neue Fahne geweiht werden. Der damalige Rottenburger Pfarrer Monifelder verweigerte jedoch den kirchlichen Segen. Für seine Begriffe war der TV ein „Saufverein“. Später änderte der Geistliche anscheinend seine Meinung über die Turnbewegung, denn mit seinem Ableben vermachte er dem Turnverein einen Geldbetrag. Das Gauturnfest 1897 endete für den Verein mit einem Verlust von knapp 200 Mark. Folge: Führungskrise, Ratlosigkeit und Rücktritt der Vorstandschaft mit Neuwahlen.

Liebe Sportfreunde,

ich habe eingangs gesagt, dass wir uns hier an einem ganz besonderen Ort befinden. Der alte Turnerplatz, die älteren unter uns können sich vielleicht noch an das große Holzblockhaus erinnern. Auf diesem Gelände wurden die vielen Turnveranstaltungen, insbesondere auch die Ritter-Max-von-Müller-Spiele, abgehalten. Später wurde der Platz auch von den Fußballern, vor allem Schüler und Jugendmannschaften, zum Training genutzt.

Das Turnerdenkmal wurde 1924 erstellt mit den Namen der im 1. Weltkrieg gefallenen 24 Turnbrüdern. 1956 wurden die Namen der 60 gefallenen und vermissten Turner und Sportler des TSV, die aus dem 2. Weltkrieg nicht mehr heimkehrten, angebracht.

Ich danke zunächst für die Aufmerksamkeit und bitte um das Grußwort unseres Bürgermeisters. Anschließend werden wir am Denkmal einen Kranz niederlegen – in Dankbarkeit den gefallenen und verstorbenen Vereinsmitgliedern bis zum heutigen Tag gedenken.

 


 

 

 

 

Gasthaus Eigenstetter